Der Wald

 

Hansruedi Plattner

 

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Die Gemeinde Arlesheim gehört mit 50 % bewaldetem Gebiet zu den waldreich­sten Gemeinden unseres Kantons. Dementsprechend prägt der Wald das Land­schaftsbild. Die tiefsten Lagen befinden sich an der Birs, wo auf den ehemaligen Auenwaldstandorten heute verschiedene Weidenarten, Pappeln, Robinien, Ahorn und Eschen auf ca. 270 m ü. M. stocken. Die höchsten Lagen im Gebiet Gspänig zeigen auf 609 m ü. M. typische Jurawälder mit vorherrschender Buche. Der Arlesheimer Wald, an den Ausläufern des Juras liegend, wächst auf steilen Hängen und in tiefen Gräben. Die ganze Topographie dieser Landschaft ist sehr markant mit den Felskuppen und den fünf Gräben: Welschelselis-, Mönchs-, Flesch-, Wollgraben und der Ruchi Schleifi. Als geschichtliches Zeichen ragen die beiden Burgen Birseck und Reichenstein über den Wald hinaus.

 

Areal- und Besitzverhältnisse aus dem Leitbild 1973

 

Bann Arlesheim                         692,77 ha

davon Wald                              344,57 ha = 49,74 %

 

Waldeigentümer:

 

Bürgergemeinde Arlesheim           219,06 ha

Einwohnergemeinde Arlesheim           7,78 ha

Bürgergemeinde Münchenstein           4,00 ha

Bürgergemeinde Muttenz                  0,22 ha

Bürgerspital Basel                        35,38 ha

Gemeinde Dornach                         0,12 ha

Stiftung Burg Reichenstein              54,00 ha

Ermitage                                    14,89 ha

übriger Privatwald (18 Besitzer)         9,12 ha

 

Die Qualität der Bäume auf diesen extremen Standorten ist nicht hervorragend. In vergangenen Zeiten war der Wald jedoch wichtiger Brennholzlieferant. Orts­namen wie das «Armenholz» deuten darauf hin, dass die weitabgelegenen Bestän­de von der ärmeren Bevölkerung genutzt werden durften.

 

Im Arlesheimer Wald gibt es sagenumwobene Orte. Es sei bei dieser Gelegenheit nur gerade an zwei Geschichten erinnert, die Sage über das umhergeisternde Welschelseli im gleichnamigen Gebiet oder die Sage über das Klösterchen im Mönchsgraben, dem Ursprungsort der Gemeinde Münchenstein. Wegen der Steilheit des Geländes war eine intensive Nutzung der Waldungen nicht möglich, so dass sich bis heute eine artenreiche Flora und Fauna erhalten konnte. Mit Rücksicht auf diese Vielfalt wird unser Wald sehr zurückhaltend und naturnah bewirtschaftet.

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Die Waldnutzung

 

Das Waldgesetz von 1902 verlangt von den Eigentümern eine nachhaltige Nutzung ihrer Wälder, das heisst der Wald muss alle seine Funktionen – Holzproduktion, Wasserreservoir, Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Luftreinigung und Erholungsfunktion – auf Generationen hinaus erfüllen können. Damit die Nachhaltigkeit gewährleistet ist, sind besonders zwei Kriterien zu beachten: Es darf nicht mehr genutzt werden als zuwachsen kann, und die verschiedenen Ent­wicklungsstufen müssen gleichmässig vertreten sein. Grundlage dieser Kriterien sind periodische Inventaraufnahmen. Die erste Inventur wurde in Arlesheim 1885 durch Stadtoberförster Bär durchgeführt. Alle Bäume über 16 cm Durchmesser auf Brusthöhe (1,30 m) wurden gemessen. Diese aufwendigen Arbeiten der soge­nannten Vollkluppierung wurden jeweils mit Bürgern und Schülern in Fronarbeit ausgeführt. In den Jahren 1905, 1915, 1925, 1936, 1949, 1959 und 1971 wurden die bestehenden Wirtschaftspläne revidiert.

 

1989/90 wurde wieder eine Inventur durchgeführt, aber neu nach dem Stich­probenverfahren. Nach diesen Erhebungen im Bürgergemeindewald sind die Holzarten wie folgt am Holzvorrat beteiligt: total 82 555 Bäume mit ca. 54 380 m3 Vorrat.

 

Holzart                  mittlere Standorte     schlechte Standorte

Fichte                   2 %                      2 %

Tanne                   0 %                      0 %

Föhre                   3 %                      9 %

Lärche                           0 %                      1 %

Buche                   71 %                     60 %

Eiche                    8 %                       16 %

Ahorn                   5 %                      4 %

Esche                   6 %                      4 %

 

Das ergibt auf den schlechten Standorten einen Nadelholzanteil von 12 %, auf den mittleren einen von 5 %. Was auffällt, ist der hohe Anteil der Eichen und Föhren auf schlechten Standorten. Die Zusammensetzung auf diesen mageren Standorten ist natürlich geblieben, weil in schwierigem Gelände schlecht genutzt werden konnte.

 

Ziel der heutigen Forstwirtschaft ist es, den Laubwaldcharakter zu erhalten und die Pflanzengesellschaften naturnah zu nutzen und zu pflegen. Die aus der Brennholzbewirtschaftung hervorgegangenen Bestände weisen zum grössten Teil schlechte, schwer verkäufliche Sortimente auf, die zudem im steilen Gelände auch heute noch nur schwer geschlagen werden können. Somit ist eine kostentragende Pflege und Nutzung der Waldungen schon seit Jahren nicht mehr möglich. In früheren Jahren war der Anteil an Stammholz 5 %, durch gezielte Pflege der besten Bäume und bessere Verwertungsmöglichkeiten auf dem Stammholzmarkt, zum Beispiel für die Verpackungsindustrie, konnte das ökonomisch interessante Sortiment «Stammholz» auf durchschnittlich 53 % gesteigert werden. Die übri­gen, meist defizitären Sortimente, werden in der Zellstoffindustrie, den Spanplat­tenwerken und als Brennholz abgesetzt. Seit 1975 wird der Bürgergemeindewald gemeinsam mit den Waldungen der Bürgergemeinde Münchenstein und der Stif­tung Burg Reichenstein von der gleichen Forstequipe gepflegt und genutzt, wobei der Holzeinschlag im Arlesheimer Revierteil, der jährlich 1300 Silven beträgt, zum grössten Teil von Forstunternehmern ausgeführt wird. Eine Silve ist das Schätzmass stehender Bäume und entspricht etwa 1 m3. Trotz diesen Rationali­sierungsmassnahmen übersteigen die Kosten der Pflege des Waldes dessen Ertrag. Ohne namhafte finanzielle Unterstützung durch die Einwohnergemeinde wäre die naturnahe und schonende Bewirtschaftung nicht möglich.

 

Die häufigsten Waldgesellschaften sind die Seggen- und Lungenkraut-Buchen­wälder. Als seltene Gesellschaften finden wir in Arlesheim den Aronstab-, den Linden-Zahnwurz- und den Blaugras-Buchenwald, den Bacheschenwald, den Zweiblatt-Eschenmischwald und den Flaumeichenwald. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch spezielle und hochinteressante Flora und Fauna aus. Diesen Artenreichtum gilt es unbedingt zu erhalten. Man denke dabei nur gerade an die besonders seltenen Arten Speierling und Schneeballblättriger Ahorn. Der Speier­ling ist in einzelnen Exemplaren über ganz Arlesheim verteilt und wurde in den vergangenen Jahren auch in die Verjüngungen eingepflanzt. Der Schneeballblät­trige Ahorn ist relativ häufig auf den trockenwarmen Felskuppen Chilchholz­kopf, Eichmattkopf, Hornikopf sowie im Schäferrain und Plättli vertreten und tritt vor allem während seiner Blütezeit, vor Blattausbruch, auffällig in Er­scheinung.

 

Weitere bemerkenswerte Arten sind: Die Felsenkirsche, die Holzbirne, der Holz­apfel, der Alpenkreuzdorn und viele andere mehr. Die Fauna ist in diesen Gebieten auch besonders reichhaltig. Vor allem sind an den warmen Standorten verschiedene Reptilien und Amphibien vertreten. Früher waren sie häufiger, aber die zunehmende Beschattung der überhandnehmenden Buche verdrängt die wär­meliebenden Arten. Noch vor Jahren konnte regelmässig die Juraviper nachge­wiesen werden. Als häufigste Schlangenart lässt sich heute noch die Ringelnatter beobachten. Regelmässig können die Blindschleiche und die Mauereidechse und bei den Amphibien die Erdkröte, der Grasfrosch, der Feuersalamander und der Bergmolch gesehen werden. Um der zunehmenden Beschattung Einhalt zu gebieten, könnte der Baumbestand aufgelockert werden, was nicht nur den Tieren zugute käme, sondern auch der reichhaltigen Krautschicht.

 

Um die ganze Artenvielfalt der Pflanzen in Arlesheim auch in Zukunft zu erhal­ten oder gar wieder zu schaffen, bedarf es, neben einer naturnahen Waldnutzung, der nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichteten Bejagung des Rehwildes, wobei die Jagd nicht nur als «Schädlingsbekämpfung» angesehen werden darf, sondern auch als uraltes Kulturgut, das weiterhin gepflegt und erhalten wer­den soll.

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Der Wald als Erholungsgebiet   

 

Wie schon dargestellt, gehört der Arlesheimer Wald zu den artenreichsten Lebensräumen im Kanton Baselland. Dieser Lebensraum ist jedoch starken Ver­änderungen unterworfen. Denken wir nur an die verschiedenen Naturereignisse, den Eisregen im Februar 1978 oder an die schweren Sturmschäden der Jahre 1986 und 1990. Diese verursachten vor allem im Altholz grössere Schäden. Diese Ereig­nisse dürfen jedoch nicht überbewertet werden, denn ein Wald ist nichts Stabiles. Sein steter Wandel wird von den eigenen Verjüngungsmechanismen, von Natur­ereignissen und Eingriffen des Menschen bestimmt. Viel problematischer hinge­gen sind die negativen menschlichen Einflüsse auf die komplexe Lebensgemein­schaft Wald. Man denke nur an das «Waldsterben» durch sauren Regen und Luft­verschmutzung oder an die übermässige Beanspruchung durch den Erholung suchenden Menschen. Bis jetzt hat sich das Waldsterben zwar in engeren Grenzen

gehalten, als die Prognose lautete, hat aber doch die Vitalität der Bäume und die Qualität des Holzes beeinträchtigt, vor allem diejenige der Buche. Massenveran­staltungen im Wald und sportliche Betätigung belasten die Lebensgemeinschaft stark.

 

Diese Belastung erzeugt zum Beispiel beim Wild Stress, weshalb es mehr Nahrung aufnimmt. Daraus resultieren Verbissschäden an Nutzpflanzen und Kraut­schicht. Seltene Pflanzen können dadurch in ihrem Bestand gefährdet sein. Zu­dem sind die wildtauglichen Flächen durch die Masse der Erholungssuchenden um die Gebiete «Widen», «Hagenbuchen» und Teilgebiete des «Spitalholzes», des «Schäferrains» und des «Hollenberges» reduziert worden. Der Weg zu artenärme­ren Gebieten ist somit vorgezeichnet. Um diese Gefährdung zu reduzieren; bedarf es eines umweltgerechteren Verhaltens von uns allen. Gefordert sind eine geringe­re Produktion von Schadstoffen und eine rücksichtsvolle, beschauliche Er­holungstätigkeit in unserem schönen Wald. Nur dann haben wir Gewähr, dass nachfolgende Generationen noch eine vielfältige, erlebenswerte Natur vorfinden werden.

 

Aus: Heimatkunde Arlesheim (1993)

 

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