Tagebuch Bulgarienreise |
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19., 20., 21. September 2000 |
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Am Dienstag um 12 Uhr mussten wir uns auf dem Gleis 8
treffen, denn da fuhr unser Zug in einer knappen Stunde nach Mannheim und natürlich
weiter auf Bulgarien. Nach und nach fanden sich 22 Schüler, zwei Lehrer, ein
Riesenberg Gepäck und schliesslich auch unser Zug am Treffpunkt ein. Die
Stimmung war sehr nervös und angespannt aber trotzdem freuten sich alle auf
zwei Wochen Ferien. Alle haben ein Geschenk für ihre Gasteltern und Freunde
gefunden und auch die Kleidersorgen haben sich aufgelöst. Der Zug fuhr ab und
zwar zuerst in die falsche Richtung, nämlich nach Norden. InMannheim mussten
wir das erste Mal umsteigen, und von dort ging es weiter nach München. Im Zug
wurde das erste Mal so richtig Schlaf vorgeholt, da in der bayrischen
Hauptstadt gerade das Oktoberfest stattfand undda war nicht gross an Schlaf
zu denken. Zudem überfiel uns eine grosse Müdigkeit, da ein grosser Teil der Anspannung
der letzten Tage von uns abfiel. |
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In München angekommen kümmerten wir uns zuerst einmal
darum wo wir unser Gepäck für die paar Stunden verstauen konnten. Als dies
geklärt war, wurden wir von unseren Lehrern nach München entlassen. Ein
grosser Teil von uns verschlug es direkt zu den Wiesn. Ein anderer Teil erst
nachdem sie einen Teil der Kultur von Bayern gesehen hatten. Egal wo in
München alle verbrachten einen gemütlichen Abend und die Stimmung war sehr
ausgelassen bevor es definitiv in Richtung Osten ging. |
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Im Zug wurde eigentlich nicht mehr gross gefestet
sondern geschlafen. Tatsächlich, als wir am nächsten Morgen geweckt wurden
und aus dem Fenster sahen, hat sich die Landschaft ziemlich verändert. Ungarn
war flach und die Siedlungen viel spärlicher als noch zuvor in Oesterreich.
Viel Zeit, um dies zu betrachten blieb uns nicht, Budapest näherte sich und
wir mussten bald umsteigen. Als wir alle den Zug verlassen hatten, bestaunten
wir zuerst einmal den schönen Bahnhof. Nachdem sich einige dazu bereit
erklärt hatten, unser Gepäck zu bewachen, machte sich der Rest der Klasse auf
um die nähere Umgebung des Bahnhofes zu erkunden. In der einen Stunde
Aufenthalt hatten wir gerade genug Zeit, um einige ungarische Forinth zu
wechseln und uns ein Morgenessen einzukaufen, wozu viele natürlich den
MacDonalds aufsuchten. Zurück am Bahnhof suchten wir unsere drei
Achterabteile im Zug, welcher uns bis Bukarest brachte. Wir richteten uns im
spärlichen Platz ein und taten zunächst das, was wir einerseits letzte Nacht
nicht zu lange getan hatten und was andererseits die Zeit am schnellsten
vorbeigehen liess: schlafen. Gegen Mittag war dann fast die ganze Klasse
wieder wach. Mittlerweile war Budapest weit hinter uns. Einige wechselten vom
engen Abteil in den Speisewagen, um dort zu Mittag zu essen oder nur etwas
mehr Platz zu haben. Andere assen in den Abteilen, spielten dort Karten,
redeten und sahen sich die Landschaft an, was jedoch nicht allzu spannend
war, da die Puszta recht eintönig ist. Hierbei ist anzufügen, dass das Gebiet
der Puszta recht abgelegen ist und hier für die Dauer von zwei Stunden keine
Natelconnection vorhanden ist, was je nach dem gewisse Reisende zutiefst
beschäftigen kann (J). Einige beschäftigten sich auch mit dem dringenderen
Problem ein verklemmtes Fenster ohne Griffe zu öffnen, da die Temperaturen im
Zug mittlerweile backofenähnliche Bereiche erreicht hatten. Sowieso wurden
wir in diesem Zug mit Zuständen konfrontiert, die in der Schweiz sämtliche
Reisenden vertrieben hätten. So waren die sanitären Anlagen in einem
miserablen Zustand und wie erwähnt hatten die meisten Fenster nicht zwei
Griffe. Ausserdem zogen sich die 15 Stunden im engen und heissen Zug extrem
in die Länge. |
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Nachdem wir die rumänische Grenze passiert hatten gab es
dann wieder vieles zu sehen. Wir wurden ein erstes Mal auf unserer Reise
bewusst, in was für einem Luxus wir hier in der Schweiz leben. Wir sahen
Frauen und Männer, die mit ihrem Pferd und dem Holzpflug ihre Felder
bestellten. Leere, vor sich hin rostende Eisenbahnwagen, bei denen schlicht
das Geld fehlte, um sie zu entsorgen. Leerstehende, gespenstische schwarze
Kohlebergwerke und Pipelines neben den Geleisen, die nicht
vertrauenserweckend wirkten. |
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Am späten Abend des 20. Septembers erreichten wir mit
einiger Verspätung Bukarest. Da es dunkel war, konnten wir von dieser Stadt
nicht viel sehen. Ausserdem mussten wir uns beeilen, den Anschluss nicht zu
verpassen. Umsteigen ging mittlerweile sehr schnell, wir organisierten uns.
Wir verpassten jedoch unseren Zug beinahe aus einem anderen Grund. In
Bukarest muss man sein Billet vorweisen, um auf das Perron zu dürfen. Da
jedoch Herr Stalder mit dem Kollektiv vorausgegangen war und wir die
Abschranken nicht gemeinsamen überquerten, wollten die rumänischen Beamten
uns zuerst gar nicht erst zu unserem Zug lassen. Es war ziemlich schwierig,
einem Rumänen, mit dem wir uns nicht verständigen konnten, dies zu erklären.
Schliesslich jedoch liess er uns passieren. |
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Nachdem wir uns alle in unseren Schlafabteilen eingerichtet
hatten, gingen wir ziemlich bald schlafen. Am nächsten Morgen sollten wir
theoretisch um 10 Uhr unser Ziel erreichen. Nachdem aber die Ersten aber
aufgewacht waren, mussten sie jedoch feststellen, dass wir zwei Stunden
Verspätung hatten. Aus diesem Grund konnten wir gemütlich Tee trinken und die
Aussicht geniessen, die langsam hügliger wurde. Währenddessen erzählten uns
unsere Lehrer die Probleme die es beim Grenzübertritt gab. Die Rumänen hatten
nämlich sichtliche Mühe zu begreifen, dass wir eine Person weniger waren als
auf dem Visum angegeben war, das Pascale erst später nachreisen wollte. |
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Die Nervosität in der Klasse machte sich langsam wieder
bemerkbar. Wir kannten zwar mittlerweile unsere bulgarischen Freunde, wir waren
aber trotzdem gespannt auf das Wiedersehen. Um 12 Uhr 13, also genau 48
Stunden nachdem wir in Basel losgefahren sind erreichten wir den Bahnhof von Sofia. Etwas mehr als die Hälfte
der bulgarischen Klasse stand auf dem Perron um uns zu begrüssen. Die
Begrüssung war sehr herzlich und trotzdem war es für alle eine ziemlich
komische Situation vor allem für diejenigen die nicht so gut mit ihrem
Gastbruder oder Gastschwester ausgekommen sind. Wir wurden auch darüber
aufgeklärt, dass die letzten Übernachtungsprobleme gelöst waren und alles
vorbereitet war. Wir beluden unseren
Bus währenddessen überall geschwatzt wurde. Die Wiedersehensfreude war so
gross, dass der Busfahrer Mühe hatte uns in den Bus zu verfrachten. |
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Als Erstes fuhren wir quer durch Sofia, was uns einen
ersten Eindruck verschaffte. Das Riesenchaos und auch der etwas andere
Lebensstandard war für uns am Anfang etwas schwierig zu verstehen und wir
beobachteten die Stadt mit gemischten Gefühlen. Sobald wir die Stadt
verlassen hatten empfing uns eine recht karge Landschaft und uns wurde
gesagt, dass wir im Moment mit grösseren Wasserproblemen rechnen mussten, da
es seit Mai nicht mehr geregnet hatte. Das heisst, dass in Blagoevgrad das
Wasser rationalisiert war und es aus unserer heissersehnten Dusche nichts
wurde vor 17 Uhr. |
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Nach zwei Stunden Busfahrt erreichten wir endlich
"unsere" Stadt. Vor uns lag, eingebettet von sanften Hügel
Blagoevgrad. |
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Donnerstagnachmittag, 21. Mai 2000 |
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Endlich sind wir bei der Schule angelangt. Dort
begrüsste uns der Rest der Klasse und nach und nach wurde auch das Gepäck
ausgeladen. Schon bald trennten sich unsere Weg und alle gingen mit ihren
Gastgebern zu den neuen Familien, auf die wir alle sehr gespannt waren. Der
grösste Teil von uns wurde zu Wohnblöcken geführt, die für unsere
Schweizerverhältnisse unbewohnbar aussahen. Wir waren zum erstem Mal seit
Rumänien geschockt und mit gemischten Gefühlen betraten wir die Wohnblöcke.
In den Wohnungen angelangt sind wir alle sehr überrascht worden. Man konnte
sich gar nicht vorstellen, dass es aussen so ungepflegt war und innen so
gemütlich und schön. In Bulgarien kümmerte man sich nicht um
Äusserlichkeiten, man legte mehr Wert auf das Innere der Häuser. |
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Die erste zeit verlief für die meisten ähnlich. Man ging
ein wenig schlafen. lernte seine Familie kennen, verteilte Geschenke und
richtete sich ein. Zu guter Letzt war dann auch bald 17 Uhr und wir konnten
endlich unter die langersehnte Dusche. Hier muss man noch bemerken, dass die
meisten Gastgeschwister aus dem Zimmer auszogen und wir fast allen ein Zimmer
für uns hatten, während sie sich das Zimmer mit ihren Eltern oder
Geschwistern teilten. |
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An diesem Abend wollten wir natürlich nicht früh ins
Bett, obwohl wir eigentlich müde waren. Wir trafen uns alle in der Innenstadt
wo wir uns dazu entschlossen ins Jazz Café zu gehen. Dort wurden die ersten
Eindrücke zwischen Schweizern und Bulgaren ausgetauscht und es entstanden die
ersten Gespräche und Diskussionen. In diesem Lokal machten wir auch
Bekanntschaft mit den äusserst niedrigen Preisen in den Bars. Später
wechselten wir in das "Underground", die angesagteste Disco der
Stadt. In dieser Disco gab es für jeden Geschmack etwas und es wurde bis in
den frühen Morgen getanzt. Von Anfang an waren wir von den extrem vielen Bars
Discos und anderen Lokalen begeistert und wir waren uns schon am ersten Abend
darin einig, dass so etwas in der Schweiz leider nicht existiert oder nur
spärlich. Das Nachtleben dieser Stadt war sensationell und dabei war sie
einiges kleiner als Basel. |
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Dieser erste Abend war richtig gemütlich und es fand zum
ersten Mal wieder ein Austausch zwischen den Klassen statt und so ganz
langsam, schon an diesem ersten Abend merkten wir, dass wir ihr Verhalten in
der Schweiz oft falsch interpretiereten. |
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Freitag, 22.September 2000 |
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Die Nacht war lange und zum Glück konnten wir bis um etwa
halb neun schlafen. Aus der morgendlichen Dusche wurde leider nichts wegen
der Wasserrationalisierung. Ungeduscht und die meisten noch müde, trafen wir
uns auf dem Schulhausplatz. Von dort ging es direkt ins Café wo Espresso
getrunken wurde. Kurz darauf ging es mit unserem Bus zum Rila Kloster. Mit
dabei war auch ein Führer der uns das ganze Kloster zeigen wollte. Von
Blagoevgrad aus ging unsere kleine Reise in die Berge hinauf, auf ca.
2500m.ü.M., wo wir trotz der Höhe angenehm warmes Wetter geniessen konnten.
In sehr schöner Umgebung, die etwas an Südfrankreich erinnert, lag in einem
Tal das wunderschöne Rila Kloster. |
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Dort angekommen, übernahm unser sehr kundiger Guide die
Führung und zeigte uns das Museum, das Kloster und das Wohngebäude. Wir erfuhren
auch einiges über die Geschichte des Kloster und über Bulgarien.
Anschliessend konnten wir uns noch auf eigene Faust umsehen wobei natürlich
viele Fotos geschossen wurden von diesem eindrucksvollen Gebäude. |
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Direkt gegenüber des Klosters war ein Restaurant wo wir
das Mittagessen geplant war. Irgendetwas mit der Organisation hat nicht
geklappt, aber nach einigem Hin- und Her hat jeder etwas bekommen. Die
Vegetarier oder Möchtegerns kamen in den Genuss eines traditionellen
Gerichtes, dem sogenannten "Mischmasch". Wir waren anfangs sehr
kritisch eingestellt, als wir es serviert bekamen, es entpuppte sich jedoch
als Köstlichkeit. |
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Im Verlauf des Mittagessen wurde bekannt, dass wir heute
unseren Konrektor Herr Senn und den Regierungsrat Herr Schmid treffen sollte.
Schon bald sind wir aufgebrochen in Richtung des Nationalparkes. Dieses
Treffen war aber überhaupt nicht organisiert und nachdem wir eine weitere
Viertelstunde im Bus verbracht hatten sind wir beim Anfang des Pirin
Nationalparkes angelangt wo wir auf einer Wiese auf Die beiden Herren und den
Schweizerbotschafter warten sollten. Wir warteten und warteten und niemand
wusste worauf. Irgendwann wurde es uns zuviel und Herr Weber erreichte mit
dem Satz " what the hell are we waiting for??", dass Bewegung in
die Sache kam. |
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Wir stiegen in den Bus ein und etwa 5 Minuten später
traf der stellvertretende Botschafter ein. Alle sind wieder ausgestiegen und
warteten weiter. Sie trafen aber auch nach einer weiteren Viertelstunde nicht
ein und wir beschlossen zum Kloster zurück zufahren. Auf der Strecke zurück kamen sie uns
tatsächlich entgegen. Die zwei Herren stiegen ein und Herr Schmid
entschuldigte sich in allen Formen. |
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[Hier
bricht das Tagebuch von Christine und Karin ab.] |
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