Der Besuch der Klasse 3A aus Blagoevgrad in der Schweiz

 

Aus dem Tagebuch von Christine und Karin

à Sonntag, 21.05.00

à Montag, 22.05 00

à Dienstag, 23.05.00

à Mittwoch, 24.05.00

à Donnerstag, 25.05.00

à Freitag, 26.05.00

à Samstag, 27.05.00

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Samstag, 20 Mai 2000

 

Der Tag auf den wir nun lange gewartet haben ist endlich da. Vor lauter Nervosität ist es für die Lehrer praktisch unmöglich normalen Unterricht zu machen. Mitten in die Chemiestunde hereingeplatzt kommt Herr Stalder, um zu sagen, dass unsere Gäste in 10 Minuten da sind. Wir rennen praktisch zum Parkplatz, und wir zappeln vor lauter Nervosität nur noch herum. Endlich kommt der Bus  und ein Gerufe mit vielen Namen und falschen Aussprachen geht los. Nach kurzer Zeit hat jeder Gast seinen Gastgeber gefunden und Tandiwe kann uns für kurze Zeit zur Ruhe bringen. Sie verteilt die Begrüssungsgeschenke und dann werden aus allen Taschen Natels gezückt: "Mami chasch mi cho hole, si sin jetzt do!!" Innerhalb von ca. 15 Minuten leert sich der Platz und es geht Richtung nach Hause.

Das Wochenende haben wir kein Programm geplant und darum hat jeder sein eigenes Programm zusammengestellt. Zuerst jedoch wird geduscht und ein paar Stunden geschlafen. Unsere Gäste sind von der zweitägigen  Busfahrt total erschöpft. Sie wollen am Samstagabend aber trotzdem in den Ausgang was für uns alle eine Erleichterung ist, da im Moment gerade das JKF (Jugendkulturfestival) in Basel stattfindet. Wir beschliessen uns irgendwo dort zu treffen und wir geniessen im grossen und ganzen einen gemütlichen Abend. Leider haben viele unserer Gäste einen anderen Musikgeschmack als wir und die vielen Regiobands  sagen ihnen nicht so sehr zu wie uns. Unsere Gäste sind aber froh dass sie  die meisten ihrer Freunde irgendwo sehen. Es ist nämlich nicht einfach ein ganzes Wochenende ohne seine Freunde  in einem fremden Land bei fremden Leuten zu verbringen. Für uns als Gastgeber ist es nicht einfach dass jeder seine Freunde sehen kann. Das Problem liegt nämlich darin, dass die Bulgaren meist einzeln aufgenommen wurden und sie sich ein wenig einsam vorkommen. Ein weiteres Problem ist auch dass wir Gastgeber uns bemühen am Samstag ein gutes Programm zusammen zustellen. Wir haben also zu zweit oder zu dritt abgemacht um ihnen Basel zu zeigen. Leider ist es vorgekommen, dass sich unsere Gäste nicht verstanden haben, wenn wir in diesen kleine Gruppen unterwegs waren. Basel ist ja nicht so riesig und gegen Ende des Abends haben wir so ziemlich alle der Klasse mindestens einmal getroffen.

Unsere Gäste merken bald, dass sie eigentlich viel zu müde sind um zu festen. Aus diesem Grund wird die Nacht nicht allzu lange und die meisten wollen das letzte Tram erwischen. Zuerst wollen wir uns aber noch bei einem Mitternachtssnack stärken und anschliessen zu gehen. Bevor wir aber endgültig gehen müssen wir uns noch für den Sonntag verabreden. Das nächste Problem ist aber schon aufgetaucht. Die meisten wollen nicht unbedingt ans JKf und so müssen wir uns um ein Alternativprogramm kümmern. Es kommen viele Vorschläge wie Museum, Theater, in die Berge fahren oder ganz einfach in den Zoo gehen. Wieder bilden sich Gruppen und das Programm ist unterschiedlich. Wir lassen unsere Gäste entscheiden und diese möchten am liebsten in den berühmten Basler Zoo. Somit wäre auch dies abgemacht und wir können aufs Tram Richtung Bett.  Die Umgebung ist zwar neu, aber alle sind zu müde von diesem spannenden Tag oder der langen Reise, dass das Schlafen nicht schwer fällt.

 

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Sonntag, 21 Mai 2000

 

Das Erste was am Sonntagmorgen auf dem Programm stand, war ausschlafen und ganz gemütlich frühstücken. Es musste viel Schlaf aufgeholt werden und so wurde es recht spät bis die meisten aufgestanden sind. Bis gegen Mittag sind wir aber soweit, dass wir uns in Basel treffen können. Wie am Samstagabend beschlossen machten wir uns auf den Weg zum Zolli. Mittlerweile sind alle Bulgaren aufgewacht und einige würden ein ausgiebiges Shopping vorziehen. Sie konnten nicht verstehen wie am Sonntag alle Läden geschlossen sein können. Trotzdem freuten sich die meisten auf den Zoo und wir hoften es gefällt ihnen. Irgendwie war es erstaunlich, aber die Begeisterung war tatsächlich riesig. Wir wollten natürlich wissen was ihnen denn so gefiel an unserem Zoo. Wir sind schliesslich nichts anderes gewöhnt. Wir wurden darüber aufgeklärt, dass die Zoos in Bulgarien aus ein paar Gitterstäben mit einem Löwen und einem Bären bestehen. Im Grossen und Ganzen also eine recht triste Angelegenheit. Die ganze Anlage mit dem Park und den vielen Tieren war für sie faszinierend und wir waren ziemlich froh darüber, dass wir uns für den Zoo entschlossen haben.

Das Problem dass jeder seine Freunde sehen möchte bestand aber immer noch, was wir auch verstehen konnten. Wir verabredeten uns für den Abend und trennten uns um zu Hause ein wenig auszuruhen, um zu duschen und um etwas zu essen. Damit es am Abend sicher klappte, liefen die Telefone heiss damit jeder und jede seine besten Freunde sehen konnte. Es sah ganz danach aus als ob sich so ziemlich die ganze Klasse treffen wollte. So gegen neun Uhr abends trafen wir uns in der Stadt um ins "Unternehmen Mitte" zu gehen, das Beni organisieren konnte. Wir sind froh, dass wir einen guten Platz gefunden haben für so viele Leute, was gar nicht einfach ist. Tatsächlich war der grösste Teil unserer Klasse anwesend und wir setzten uns an einen riesigen runden Tisch. Das Lokal war leer, da es normalerweise am Sonntag geschlossen ist. Das sorgte für eine private Atmosphäre und schon bald gingen Diskussionen und Gespräche los. Wir werden mit Getränken aus dem Café versorgt und es wurde richtig gemütlich. Leider wurden die Gespräche am Anfang oft klassengetrennt geführt, da es so viele neue Erfahrungen auszutauschen gab und die wollte man am liebsten mit seinen Freunden besprechen. Trotzdem war der Abend ein voller Erfolg und wir gewöhnten uns so langsam an das ständige Englisch und die fremden Menschen.

Wie am Samstag wurde es auch an diesem Abend nicht allzu spät, da die meisten auf das letzte Tram müssen. Wir als Gastgeber hatten aber irgendwie ein ungutes Gefühl was dieses recht spezielle Wochenende anging. Wir hatten gemerkt, dass es für die meisten Gäste zuviel war ein ganzes Wochenende mehr oder weniger von der Klasse getrennt zu sein. Es machte es ihnen schwieriger sich an die Schweiz zu gewöhnen. Es freuten sich aber alle auf den nächsten Tag an dem wir unser offizielles Programm beginnen wollten und die Schulleitung unsere Gäste  empfangen wollte.

 

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Montag, 22 Mai 2000

 

Wir wollten unseren bulgarischen Gästen an diesem Morgen unsere Schule und den normalen Unterricht zeigen. Wir trafen uns um neun Uhr und führten sie anschliessend durch das ganze Schulgebäude und durch den Park. Am meisten begeisterte sie unser Bäcker mit seinem Znüni und unsere Snack- und Kaffee-Automaten. Um zehn Uhr wurden unsere Gäste offiziell durch das Rektorat begrüsst. Rektor Senns nette Ansprache für die Bulgaren wurde leider nur von den Schweizern und der Deutschlehrerin verstanden, da er sie in Deutsch hielt und keiner der bulgarischen Schüler Deutsch versteht. Anschliessend tauschten die Bulgaren mit dem Rektorat offizielle Freundschaftsgeschenke aus.

Der eigentliche Teil des Schulbesuchs, die Teilnahme an einer normalen Schulstunde an unserem Schweizer Gymnasium fand anschliessend statt, wozu die Klassen aufgeteilt wurden.  Wie gesagt, eigentlich war die Meinung, den Bulgaren eine normale Schulstunde zu zeigen, was leider von den Lehrern falsch verstanden wurde. Sie hatten fast alle ein Spezialprogramm vorbereitet. Auf jeden Fall waren es zwei amüsante Stunden, denn zum beteiligten sich unsere Gäste am Unterricht. Um zwölf Uhr wurden wir alle zu Hause zum Mittagessen erwartet.

Nach einer für die meisten recht kurzen Mittagspause trafen wir uns wieder, um gemeinsam auf den Passwang zu fahren, wo wir im Naturfreundehaus zusammen übernachteten. Wir trafen uns auf dem Zug Richtung Laufen, da nicht alle an der selben Station zustiegen. In Laufen wechselten wir dann auf den Bus, der uns auf den Passwang brachte. Dort hatten wir noch etwa eineinhalb Stunden Fussmarsch zu unserem Haus vor uns, was zu einem grossen Teil bergauf ging. Vor allem die Bulgarinnen empfanden dies als grosse Anstrengung, sie sind sich solche Dinge überhaupt nicht gewohnt. Auch als es zum Schluss querfeldein und danach ziemlich steil den Wald hinunter ging, wo es auch recht rutschig war, sah man, dass  solches absolut nicht üblich war. Wenigstens hatten wir die meisten überzeugen können, ihre Plateau- und Absatzschuhe zu Hause zu lassen, und so ging es einigermassen. Um 17 Uhr traffen wir im Naturfreundehaus ein. Wir hatten geplant, verschiedene Spiele zu spielen um uns näher kennenzulernen. Unsere Gäste waren leider etwas zu wenig spontan und daher war der Spass etwas einseitig. Nach heftigen Diskussionen, wer mit wem im Zimmer schlafen wird, bezogen wir unsere Zimmer und die Küchenmannschaft machte sich an die Arbeit. Die Stimmung war sehr gemütlich und wir alle gewöhnten uns langsam aneinander. Auch das Englischreden fiel uns immer leichter. Während die einen kochten, bereiteten die anderen die Disco vor, zu welcher wir erst am Montagmittag die Idee gehabt hatten und die von einigen Schweizern in einer sensationellen Kurzaktion auf die Beine gestellt wurde. So entsteht auf dem Passwang durch gute Beziehungen eine fast professionelle Disco. Der Rest der Schweizer und die Bulgaren unterhielt sich.

Dies war auch ein grosser Unterschied zwischen den Bulgaren und den Schweizern. Während wir wirklich alle selbstverständlich mit anpackten, kam es praktisch keinem der Bulgaren in den Sinn, uns Hilfe anzubieten. 

Gegen 20 Uhr rettete uns die Kochequipe vor dem Verhungern. An dieser Stelle ist es nötig, unseren beiden Köchen Legio und Sam nochmals ein dickes Lob auszusprechen, die Spaghetti waren super! Gegessen ist dementsprechend schnell, doch die Suche nach einer Abwaschgruppe gestaltete sich nicht sehr einfach. Einige Schweizer und Bulgarinnen melden sich jedoch, und die bulgarischen Männer wollen sich mit der Bemerkung, Küchenarbeit sei Frauenarbeit aus der Affäre ziehen. Doch dies lassen wir nicht durchgehen und verknurren den Herrn zum Abwaschen. Am Schluss bestand die Gruppe aus einem Bulgaren, einem Schweizer zwei Bulgarinnen und sechs Schweizerinnen. Als die Küche wieder glänzte ist unser bulgarischer Freund stolz auf sich, dass er abgewaschen hat und forderte ein Erinnerungsfoto. Kein Problem...

Nach der Arbeit das Vergnügen. Die Disco ist ein voller Erfolg. Wir sind uns zwar bei der Musikwahl nicht immer ganz einig, doch unsere DJs meisterten dieses Problem. Es wird unbemerkt immer später und wir mussten unseren Lärmpegel etwas senken, damit der Hausbesitzer schlafen kann. Später wird uns noch eine Schoggicrème serviert und bei den Ersten machte sich schon die Müdigkeit bemerkbar, welche dann auch bald in die Federn schlüpften. Es bildeten sich grössere und kleinere Gruppen und überall entstehen Gespräche und Diskussionen. Der gemütlichste Ort war aber das Lagerfeuer wo auch geholzt wurde. Die am Anfang recht grosse Gruppe schrumpfte immer mehr zusammen aber es war einfach zu gemütlich um schon schlafen zu gehen.

Bis Heute wissen wir nicht wie viele Büchsen isländisch Moos wir an diesem Abend und überhaupt in der ganzen Woche gegessen haben Es scheint, dass unsere "Möuisiis" das Hauptnahrungsmittel dieser Woche war und auch unsere Gäste hatten ihre helle Freude daran. Irgendwann ist auch der harte Kern am Lagerfeuer müde geworden und die letzten verschwinden in Richtung Haus. Dort bemerken wir, dass es nicht alle bis ins Bett geschafft haben und einige sind dort eingeschlafen wo sie gerade waren, zum Beispiel auf dem Stuhl. Wir schleichen leise daran vorbei um sie nicht zu wecken und schlüpfen in die Federn.

 

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Dienstag, 23 Mai 2000

 

Es ist nicht schwer zu erraten, dass ein Haus mit 50 Leuten nicht allzu lange ruhig ist. So war es auch bei uns. Einige, welche am vorigen Abend nicht so lange gefestet haben waren schon relativ früh auf und gaben sich alle Mühe uns Langschläfer zu wecken. Es gelang ihnen auch so einigermassen und schon bald war so ziemlich das ganze Haus wach. Das Frühstück stand schon bald auf dem Tisch und es gelang tatsächlich allen bis zum Frühstück aufzustehen, zwar nicht sehr pünktlich aber immerhin. Der Rest von diesem Morgen ist dann relativ schnell erzählt. Das Putzen und Aufräumen klappte tadellos und unsere Klasse hat wieder einmal bewiesen, dass es möglich ist in Rekordzeit etwas auf die Beine zu stellen. Wir waren alle begeistert von diesen zwei Tagen und auch unseren Gästen hat es gefallen. Sie mussten sich etwas an unsere Spontanität gewöhnen aber es lief super. So gegen 11 Uhr kam Frau Arnold mit dem Auto um die Discoausrüstung und den Rest wieder nach Hause zu schaffen. Unterdessen machen wir uns auf den Rückweg. Es wird wieder gewandert, aber mittlerweile sind sich unsere Gäste ja schon an einiges gewöhnt. Es klappt tadellos, ausser dass eine Lehrerin ihre Tasche verliert die dank einer gewagten Kletteraktion unseres Lehrers und einigen hilfsbereiten Schulkollegen gerettet werden konnte. Wir sind alle heil zu Hause angekommen und die meisten holten eine Runde Schlaf nach der dringend nötig war. Wir wollten ja heute Abend einen guten Eindruck machen bei Herr Schmid im Ebenrain. Dort waren wir nämlich zum Nachtessen eingeladen. Unser Regierungsrat wollte unsere Gäste nämlich auch noch offiziell empfangen. Wir trafen uns wie verabredet in Basel am Bahnhof und ab geht es Richtung Sissach zum Schloss. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir unsere Klasse gesehen haben. Alle waren total herausgeputzt und gestylt. Es war ein Anblick für Götter, 50 Schüler am Bahnhof und alle edel angezogen. Die Leute die an uns vorbeigingen haben nicht schlecht gestaunt und wir waren sozusagen die Dorfattraktion in Sissach. Wahrscheinlich hatten sich alle gefragt wo man uns ausgegraben hat. Wir genossen den kurzen Spaziergang bei schönem Wetter und schon bald erreichten wir den kleinen Schlosspark. Dort ging die Fotografiererei erst recht los. Alle wollten auf ein Foto und wir haben natürlich auch Klassenfotos gemacht.

Im Innern des Schlosses servierte man uns einen Apéro und wir durften uns das ganze Schloss anschauen. Schon bald wurden wir an den Tisch gebeten und ein feines Essen wurde uns serviert. Wir genossen das Essen bei einer total speziellen Stimmung. Nach dem Essen wurden verschiedene Ansprachen gehalten. Das Problem war, dass unsere Konrektoren immer noch  Deutsch sprachen und unsere Bulgaren immer noch nichts verstanden. Herr Schmid hat diese Problem sofort erkannt und er begrüsst unsere Freunde in Englisch. Das es nicht perfekt war störte niemanden man hat gespürt wie es gemeint war und das war die Hauptsache.

Herr Schmid war sowieso sehr sympathisch und wir konnten ihn auch darüber ausfragen wie es überhaupt zu der Idee zu einem Austausch gekommen war. Es war sehr spannend sich mit ihm zu unterhalten und als jemand hereingeplatzt kam und mitteilte dass eine Jacke vermisst wurde ist er sofort aufgesprungen. Alles in Allem war es ein wirklich gelungener Abend.

Wir mussten schon bald aufbrechen um unseren Zug zu erwischen. Wir waren uns nicht ganz klar darüber, was wir noch anstellen sollten an diesem Abend. Wir alle hatten aber ziemlich viel Schlaf nachzuholen und so beschlossen wir den Abend nicht allzu lange werden zu lassen. Für die meisten ging es schon bald Richtung Bett, wir verschoben aber die abgemachte Zeit für das Treffen am nächsten Tag um eine Stunde um etwas ausschlafen zu können.

 

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Mittwoch, 24 Mai 2000

 

Um 9 Uhr 30 war unser Treffpunkt angesetzt, den die meisten auch ziemlich genau einhielten. Wir haben uns bewusst am Tinguelybrunnen getroffen um unseren Gästen dabei ein Stück Basler Kultur zu zeigen. Nach kurzer Begrüssung schlenderten wir gemütlich in Richtung Altstadt. Wir wollten unseren Gästen den schönsten Teil unserer Stadt zeigen und darum gingen wir zuerst hinauf zum Kohlenberg und dann ins Spalentorquartier, wo Herr Stalder mit seiner geschichtlichen Führung begann. Während diesem Spaziergang wurde auch ein erster Austausch zwischen Schweizer Lehrern und uns Schülern bezüglich der Gäste möglich. Ausserdem stellten wir fest, dass eine Stadtführung nicht so einfach war wie wir uns dies gedacht haben, wenn die Geschäfte offen sind. Es war nicht einfach sie an Läden vorbeizuführen die auch für uns sehr teuer sind. Der Reiz war zu gross um hinein zugehen und prompt haben wir auch zwei verloren. Der Marktplatz mit seinem Rathaus war eine grosse Attraktion und Fotoapparate wurden massenhaft gezückt. Wir mussten auch etliche Inschriften entziffern. Unsere Besichtigungstour ging weiter und wir haben ziemlich Aufsehen erregt. Eine so grosse Gruppe junger Leute die verschiedene Sprachen redeten, war nicht alltäglich. Wir haben uns köstlich amüsiert und spazierten weiter in Richtung Münster. Dort war es uns auch möglich unsere zwei Verlorengegangenen wieder zu finden. Wieder komplett gingen wir ins Münster hinein und vor allem hinauf. Es trauten sich jedoch nicht alle bis nach ganz oben. Die Aussicht war phantastisch bei diesem schönen Wetter und auch unseren Freunden hat es sehr gefallen, obwohl sie das Treppensteigen eher mühsam fanden. Es wurden massenhaft Fotos geschossen und eine Menge Höhenangst versteckt

Wieder unten ging es weiter in Richtung Fähre. wir wollten mit der Fähre den Rhein überqueren und am anderen Ufer zu Mittag essen. Es waren mehrere Fahrten nötig aber die kleinen Boote fanden grossen Anklang. Auf der anderen Seite angelangt machten wir uns auf in Richtung Migros. Dort wurde Lunch gekauft und zwei riesige Wähen. Wieder beim Rhein angelangt wurde ausgiebig gepicknickt und geschwatzt. Wir änderten unseren Plan noch ans Dreiländereck zu gehen, da wir spürten dass es unsere Freunde reizte eine ausgiebig Shoppingtour zu machen. Wir teilten uns in kleinere Interessengruppen auf. Die einen gingen Elektronikware anschauen, andere kauften Kleider ein und dritte kauften Unmengen von Parfums. Was aber alle suchten war ein "present for the family". Kein Problem, es haben fast alle etwas gefunden.

Am Abend haben wir uns alle in der Grün 80 getroffen. Beni wurde 20 und das musste natürlich ausgiebig gefeiert werden. Erstaunlicherweise war es bei den Bulgaren nicht üblich sich ins Gras zu setzen. Zum Glück haben einige Decken und ähnliches mitgebracht und sofort wurden diese Sitzflächen von unseren Gästen besetzt. Wir haben wieder einmal mehr über die Missverständnisse die es geben kann gelacht. Der Abend am Lagerfeuer war sehr gemütlich und es wurde wie üblich sehr spät. Am nächsten Morgen konnten wir ja ausschlafen da wir frei hatten. So langsam wurden alle müde und mitten in der Nacht riefen wir einige Taxis um uns nach Hause zu bringen. Zum Glück war es eine warme Nacht und das Warten wurde nicht allzusehr ungemütlich. Wir waren aber alle froh, als wir zu Hause endlich ins Bett kiechen konnten. Die Müdigkeit machte sich langsam bemerkbar, wir haben diese Woche nämlich nicht allzuviel geschlafen.

 

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Donnerstag, 25 Mai 2000

 

Wie erwähnt haben wir uns diesen Morgen frei gehalten. Das Ausschlafen fiel nicht allzu schwer und die meisten sind ziemlich lange im Bett geblieben. Es stand vor allem ein gemütliches Morgen- und Mittagessen auf dem Programm.

Um 13 Uhr trafen wir uns alle am Bahnhof in Aesch. Wir haben uns dazu entschlossen einen Sportnachmittag durchzuführen. Das Tenniscenter in Aesch wurde uns für diesen Nachmittag gratis zur Verfügung gestellt. Schon bald stellte sich heraus, dass es in Bulgarien nicht üblich ist Sport zu treiben, vor allem für Frauen. Die Männer haben sich aber sofort ins Vergnügen gestürzt und Gebrauch gemacht vom Angebot der Tennis-, Squash- und Badmintoncourts. Wir waren jedoch für einen kurzen Moment ziemlich ratlos was wir nun mit unseren Gästen anstellen sollten. Es kam dann schliesslich ziemlich klar zu Vorschein, dass die meisten am liebsten nach Basel gehen würden. Wir rätselten ziemlich lange herum wie wir das jetzt anstellen sollten. Von den versprochenen Lehrkräften war nämlich auch niemand in Sicht. Wir standen vor einem grösseren Problem, das wir aber schnell gelöst haben, als sich Annina spontan dazu bereit erklärte mit allen Frauen wieder nach Basel zu fahren. Wir waren glücklich darüber, und wir konnten uns dem nächsten Problem stellen. Unsere Gäste haben uns erzählt, dass sie schon am Samstagmorgen heimfahren müssen. Das heisst für uns, dass der Abschlussabend einen Tag früher stattfinden musste.Wir hatten aber noch keinen geeigneten Platz gefunden. Es war somit wieder einmal Zeit für eine Spontanaktion. Einige Setzten sich mit diesem Problem auseinander und bestellten dazu Herr Stalder nach Aesch um das mit ihm zu besprechen. Die anderen spielten derweilen Tennis oder gingen nach Hause. wir beschlossen unsere beiden Mamis einkaufen zu lassen und organisierten dann mit David einen Jugendraum im reformierten Pfarreiheim mit grosser Küche. Das war absoult geeignet und auch unsere Mütter haben perfekt eingekauft für eine Grillparty mit allem Drum und Dran. Herr Stalder überliess uns unseren weiteren Vorbereitungen und ging wieder in die Schule zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren nämlich die Diplomprüfungen im Gange und er hätte eigentlich gar keine Zeit für uns gehabt. Wie auch immer es hat geklappt.

Am späteren Abend haben sich etwa die Hälfte beider Klassen auf dem Löhrenacker getroffen um ein Fussballmatch auszutragen. Wir hatten den Nachmittag ziemlich gerettet und auch unsere Gäste waren zu einem grossen Teil zufrieden, was uns sehr beruhigte.

An diesem Abend haben wir nichts geplant was auch nicht schlecht war. Viele von uns waren schlicht zu müde um noch gross in den Ausgang zu gehen. Es blieben also ziemlich viel zu Hause um dort einen gemütlichen Abend  zu verbringen. Andere die nicht müde wurden von den vielen Festen trafen sich in Basel am Rhein. Wir konnten so unseren Freunden den Rhein auch einmal bei Nacht zeigen was auch einen grossen Reiz hat und bei uns Baslern sehr beliebt ist.

 

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Freitag, 26 Mai 2000

 

Heute wollten wir unseren Freunden einen anderen Teil der Schweiz zeigen. Wir trafen uns ziemlich früh am Bahnhof in Basel, nämlich um 10 vor 8 und kurz darauf fuhr der Zug nach Thun. An die öffentlichen Verkehrsmittel haben sich die Bulgaren mittlerweile gewöhnt und sie genossen die Zugfahrt durch die Schweiz. Knapp zwei Stunden später erreichten wir unser Ziel wo wir kurz Zeit hatten uns umzusehen. Die meisten setzten sich aber in der Nähe des Flusses in ein Café um etwas zu trinken. Es blieb uns viel zuwenig Zeit um die Stadt zu zeigen und schon bald ging es weiter zum Thunersee. Von dort ging es weiter mit dem Schiff. Diese Fahrt mit dem Schiff beeindruckte unsere Freunde, da sie in Bulgaren keine Seen haben wie wir. Es war für sie ein schönes Erlebnis und für ihren Geschmack sind wir viel zu schnell in Spiez angekommen. Von dort aus erreichten wir mit einem kurzen Spaziergang unseren Picknick-Platz. Die hohen Absätze der Schuhe unserer Bulgarinnen erwiesen sich dabei zu einem Problem, es wurde aber von ihnen gut und ohne grosses Murren gemeistert. Am Ort angelangt stürzten sich die Frauen auf die Bänke. uns kam sofort die Grün80 in den Sinn. Wir hatten nicht daran gedacht, dass sie nicht gerne am Boden sitzen. Für sie war das einfach unverständlich wie wir immer am Boden sitzen konnten. In ihrer Kultur heisst es, dass das nur Tiere tun. Trotzdem wurde das Picknick gemütlich bis eine Wasserschlacht entstand. Einige der Schweizer begannen zu blödeln und das ging soweit bis es Leute gab die mit ihren Kleidern in den See wateten. Unsere Gäste haben nur noch den Kopf geschüttelt. Sie konnten nicht verstehen wie wir einerseits sehr erwachsen sein konnten und das ganze Programm selber auf die Beine stellen und andererseits uns benehmen konnten wie im Kindergarten. Trotzdem war es eine amüsante Zeit.

Bald sind wir aufgebrochen um weiter zu gehen in Richtung Bern. Dort angekommen wollten die Bulgaren vor allem das Bundeshaus sehen und einkaufen gehen. Das mit dem Bundeshaus war noch sehr einfach wir mussten nur davor stehen, die Fotos waren ziemlich schnell gemacht. Das Einkaufen war dann schon ein grösseres Problem. Wieder wollte jede und jede etwas anderes. Schliesslich organisierten wir sozusagen ein Shoppingteam. Jemand ging auf Souvenirsuche andere inKleiderläden und noch andere gingen den Attraktionen nach, die es in Bern zu sehen gab. Die Bulgaren schlossen sich dann je nach Interesse jemandem an. Erstaunlicherweise haben wir niemanden verloren. Wir waren direkt ein wenig stolz auf uns. Die Zeit war leider zu knapp bemessen und schon bald mussten wir wieder auf den Zug. In Basel angekommen verstreuten  wir uns in alle Richtungen und verabredeten uns für den Abend.

Am Partyort angekommen ging es schon bald hoch her. Es wurde grilliert, geschwatzt und gegessen. Bald war klar dass wir tanzen wollte. Spontan verwandelten wir den Raum in eine Disco indem wir die Tische und Stühle wegräumten. Die Stimmung war sehr ausgelassen und es wurde auch an diesem Abend sehr spät. Aufgeräumt war relativ schnell und wir sind unseren Müttern sehr dankbar, für die tolle Organisation, sie haben alles super vorbereitet.  Nachdem wir fertig waren mit putzen wurden die Taxis gerufen und schon bald waren alle auf dem Heimweg. Auch dieser letzte Abend war für uns und unsere Freunde ein voller Erfolg gewesen.

 

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Samstag, 28. Mai 2000

 

Heute war unser letzter Tag mit unseren Gästen. gegen Mittag wollten sie aufbrechen. Herr Weber hat uns angeboten bei ihm zu Hause ein Brunch zu machen. Dazu trafen wir uns alle um 10 Uhr auf dem Parkplatz am Gym. Dort wurde alles Gepäck verstaut und dummerweise auch der Rucksack von Bernhard, welchen wir bis heute nicht wieder gesehen haben. Emilia unsere Bulgarischlehrerin ist ebenfalls gekommen, da wir sie zum Brunch eingeladen haben. Mit dem Bus ging es dann aufs Bruderholz wo Herr Weber wohnt.

Bei ihm zu Hause angekommen, stürzten wir uns auf das grosse Frühstücksbuffet.  Es wurde gegessen und wie immer gingen die Diskussionen heiss her. Die Stimmung war sehr angespannt, weil alle wussten dass wir uns in wenigen Stunden trennen mussten. Wir sprachen nochmals über die ganze Woche und wir kommen zum Schluss, das es für allen ein einzigartiges Erlebnis war.

Leider drängte die Zeit und schon bald wollten die Busfahrer losfahren. Es wurden letzte Fotos geschossen nochmals Videosequenzen gedreht und vor allem viele Adressen ausgetauscht. Danach ging es schon wieder los in Richtung Gym. Dort sind wir allen nochmals ausgestiegen und die Umarmungen nahmen fast kein Ende. Als die Türen sich schliesslich definitiv schlossen, blieben wir mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Vor allem diejenigen, die mit ihrem Gast nicht sehr gut ausgekommen sind, waren froh endlich wieder allein zu sein. Aber auch die welche ihren Gast sehr gern hatten waren irgendwie erleichtert  nur noch für sich schauen zu müssen. Trotzdem, die Zeit mit unseren Freunden war so toll, dass es fast schade war, dass sie schon gehen mussten. Eine Woche ist halt schon nicht eine lange Zeit um sich gut kennenzulernen. Auf jeden Fall freuten sich aber die meisten im Herbst selber die lange Reise unternehmen zu könne und nach Bulgarien zu fahren.

 

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