Freie Sicht aufs
Mittelmeer:
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Die Klasse 3Fc auf grosser Fahrt – |
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Diplomreise vom 21.-29.
September 2001 |
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Wo beginnt die freie Sicht? |
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Richtige Antwort: Auf dem
Siloturm im Basler Rheinhafen! |
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Von dort versuchte die
Reisegruppe der Klasse 3Fc mit Ihren Lehrern Matthias Müller und Hansjörg
Stalder kurz vor Anbruch des grossen Ereignisses das Mittelmeer über die
Ebenen des Elsass hinweg zu erspähen. Oder schauten wir in die falsche
Richtung? |
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O.K. Beginnen wir am Anfang der
Geschichte. Und die begann natürlich im Klassenzimmer. Mit Auseinandersetzungen
ums Reiseziel, mit Auseinadersetzungen mit dem Reiseziel, mit
Auseinandersetzungen miteinander etc. etc. Schliesslich stand das Ziel fest:
die Provence. |
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Und auch das Reisemittel: das
Velo. Und auch die Reiseunterstützung: ein Auto (in das man notfalls oder
auch nicht notfalls Velos – und Fahrerinnen – verladen konnte). Und auch der
Ort, wo die Velos möglichst kostengünstig aufgegeben werden konnten: St.
Louis. |
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Und so begann die Diplomreise –
und damit die Sicht aufs Mittelmeer eigentlich in St. Louis. |
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Ein Uhr bei den Veloständern beim Schulhaus. Die erste Surprise war, dass Nadine und Fabienne nicht hier waren. Wo waren sie? Das bleibe dahin gestellt. Die Mitschülerinnen dachten sich bereits Strafen aus, die vermutlich der Menschenrechtserklärung nicht standgehalten hätten. Besonders Safak war eher missmutig, denn sie kam ja mit, obwohl sie kein Velo in St. Louis aufgeben musste, aber das machte der Stalder ja auch ... (muss auch gesagt werden). Also die Strafen wurden ausgedacht, aber auf die lange Bank geschoben, die Schuldigen waren ja noch flüchtig. |
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Der Missmut verflog – so jedenfalls redete es sich der neutrale Berichterstatter ein – und die Velokolonne fuhr der Birs nach nach Basel, dem Rhein entlang nach Kleinhüningen, in wohldosierten Etappen, dass die Veloermattung nicht schon jetzt eintrat, bevor die Sache überhaupt recht angefangen hatte. Die Etappenhalte waren als kleines heimatkundliches Quiz getarnt. Und selbstverständlich hätten hohe Preise gewinkt, wenn die Antworten auf die heissen Fragen irgendwo im Zielbereich gelandet wären. Das machten sie aber nicht, so trug der Quizmaster seine Preise wieder nach Hause. Aber erst nach Umwegen: |
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Der erste Umweg führte auf die
Siloterrasse im Rheinhafen. Von dort hätte man, mit gutem Fernglas
ausgerüstet, schon beinahe bis zu unserer Reisegegend sehen können.
Jedenfalls hatte man den Eindruck bei der grossartigen Weitsicht. Und Benjamin
wäre beinahe über den First des Silodaches balanciert, wäre der Ansporn der
Gruppe ein wenig grösser gewesen. |
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Der zweite Umweg führte durch
eine ungeheuerliche Containerlandschaft in ... eine Sackgasse. Aber
schliesslich fanden wir den Weg über die grüne Grenze – d.h. durch
Schrebergärten – nach Weil. Und von dort zur Palmrainbrücke und über den
Rhein am verlassenen Zollposten vorbei nach Frankreich. Und durch Hüningen –
nochmals ein Entspannungshalt – nach St. Louis. Wer hatte nur den Bahnhof so
versteckt, dass er nur wieder auf Umwegen zu finden war? |
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Nach der Aufgabe der Velos
blieben die Lehrer allein mit zwei Zweirädern zurück, nachdem die ganze
Klasse in Richtung Regio-S-Bahn und nach Hause entschwunden war. |
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So, dies war der Anfang und die
eigentliche Sache konnte losgehen. |
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Freitag, den 21. September: Aufbruch |
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Und nochmals zurück ins
Klassenzimmer: Die Klasse traf sich zum letzten Projekttermin um letzte
Fragen zu klären, die Nervosität zu teilen und auch um betrübt zu sein, dass Safak
nicht mitkommen konnte. |
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Dann ging’s nach Hause zum Packen. Der Nachmittag war glücklicherweise schulfrei für die Schülerinnen und Schüler, da sich die Lehrer im Schulhaus mit sich selber beschäftigten. |
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Und um 20.50 am Bahnhof SBB: Zwei Reisegruppen warteten auf den Rest, die einen auf dieser Seite der Schalterhalle, die andern auf der andern – bis sie sich endlich sahen und doch noch gemeinsam auf Reisen gingen. Zum Gare SNCF, Voie 35 – „Composter les billets“ – aber noch nicht in die Wagen: Safak kam noch, um sich zu verabschieden. Noch schnell das Versprechen, ihr jeden Tag eine Karte zu schicken. Aber würde das Versprechen auch gehalten werden? Jedenfalls reiste sie mit uns mit, in den Gedanken. |
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Samstag, 22. September:
Avignon
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Was tut man um 04.39 im
verregneten Avignon? Und „kein Auge zugetan“? – Natürlich eine
Stadtbesichtigung: Quer durch die Remparts, durch die Rue de la République
(mit einer Schweigeminute vor unserem Hotel, das noch stockdunkel und
abweisend in die Gasse blickte) zum Palais des Papes – welch ein Anblick nach
den engen Gassen – auch mitten in der Nacht! – und zum Pont d’Avignon. Hier,
mitten auf der Rhone, wollten wir das Brownie-Frühstück, das Fabienne
und Nadine zur Aussöhnung für das geschwänzte St. Louis mitgebracht
hatten, geniessen. Da aber alles abgesperrt war, machten wir das auf einem
Mäuerchen an der Rhone neben der Brücke. Dunkel war es immer noch, und zu
tanzen und das berühmte Lied zu singen war die Lust noch nicht so gross.
(Dafür darf der Leser und die Leserin dieses Berichts das Lied im Dossier
„Avignon“ mit allen Strophen in zwei Sprachen nachlesen und vor sich
hinsummen. Die Noten sind auch dort.) |
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Am Nachmittag traf sich die
ganze Gesellschaft auf der Place du Palais zum Picknick. Die ersten Museen –
das Musée lapidaire mit keltischen und römischen Überresten, das Musée Calvet
mit Bildern verschiedener provençalischer Maler in einem grossen Palast – und
auch die Stadt mit ihren nun geöffneten Läden waren bereits besichtigt
worden. Aber nun zog die gestische Liebesgeschichte zwischen dem goldenen
Clown und Sabina alle in den Bann. Die Herzen wurden weich, die Augen
feucht, als er ihr mit dem Taschentuch nachwinkte – oder hatte nur der
scharfe Peperoni zum Picknick das Augenwasser getrieben? |
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Und nun hatte die Gruppe Avignon
unter der Leitung von Franca die Führung durch das Palais des Papes
organisiert. |
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Sonntag, 23. September: Avignon – Nîmes |
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In Teziers und Besouce, den
Ruhe- und Verpflegungshalten, zeigte sich die Stimmung überraschend gehoben.
Eine Zigarette scheint doch Wunder zu wirken. Jedenfalls dachte das die
Raucherin, nicht wahr Franziska – und auch der Raucher, nicht wahr Luca
K.?. Einzelne Fahrerinnen stiegen samt Velo ins Begleitfahrzeug um, also
auch hier war die Stimmung gut. |
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Letzter Treffpunkt: Vor der Kathedrale in Nîmes. Und nun ging es steil den Berg hinauf, die Verfolger dicht auf der Stossstange des Schrittmacher-Autos. Und dann, vor der gemütlichen JH: Volleyball and der Sonne (!) bis die Zimmer bezogen waren. |
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Wer noch mochte (d.h. fast
alle) kam vor dem Nachtessen nochmals in die Stadt: Die Herren auf den Velos,
die Damen im Auto, das jetzt vom Transporter zum Kleinbus umfunktioniert
worden war. Maison Carrée, Amphitheater, Altstadt – ein Spaziergang durch die
Sehenswürdigkeiten. |
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Nach dem Nachtessen gab es
einen Zeichen-Wettbewerb zwischen Anna (wieder in trockenen Hosen) und
einem JH-Gast. Wer hat gewonnen? – |
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Drei mal raten! |
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Am Morgen schien die Sonne. Nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet, als das Gepäck verstaut und die Velos gesattelt waren, drohten wieder schwarze Wolken. Aber es blieb bei der Drohung – und erst noch zum letzten Mal: Von nun an fuhren wir in einen südlichen Spätsommer hinein. |
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Die Velogruppe fuhr nach Arles,
die unterdessen durch Franca und Franziska verstärkte
Support-Gruppe im Auto kaufte die Zwischenverpflegung ein, las die Karte und
half dem Fahrer des Autos bei den teilweise heikeln Parkiermanövern, so dass
bis zum Schluss auch in engsten Situationen alles gut ging. |
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Zwischenverpflegung auf
malerischen Plätzchen, Veloflicken – nun wurde an Nejlas Velo
gedoktert – und die letzten 15 Kilometer nach Arles schon im schönsten
Sonnenschein. |
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Der erste kulturelle Höhepunkt
war der Kreuzgang der Kathedrale St. Trophime. Von der sonnenbeschienen Place
de la République tritt man in den dunkeln romanischen Raum. Aber er ist alles
andere als düster. Er umschliesst einen stillen Innenhof und erzählt mit den
vielen skurrilen Skulpturen an den Säulenkapitellen die verrücktesten
Geschichten. Und etwas ganz Besonderes: Er hat einen ersten Stock, eine Art
Dachterrasse, auf der sich in der wunderschönen Septembersonne wunderbar
sitzen lässt. Angeregt durch die Bildervielfalt die man durchwandelt hatte
und durch die Besinnlichkeit des klösterlichen Ortes fanden sich Grüppchen
zusammen, die allerhand tiefsinnige Gespräche führten – bis dann doch die
Ungeduld wieder um sich griff und Sabina, die geborene Reiseführerin,
zum Weitergehen drängte. Aber zuerst nur bis zur Hauptkirche St. Trophime,
und dort zum Portal wo wir zusammen mit dem Berichterstatter einen Moment
verweilen wollten, bevor wir das dunkle Innere der romanischen Kirche
betraten. |
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Das Portal vor der sonst
schmucklosen Kirche führt ein bildnerisches Eigenleben mit seinen grotesken
Gestalten und Szenen. Im Mittelpunkt steht das Weltgericht, für uns Heutige
eine recht ungewohnte Vorstellung, sind wir doch eher gewohnt, dass subito
über Recht und Unrecht entschieden wird, und zwar hoffentlich so wie wir
uns das vorstellen. Also hier thront ein alter Christus mit einem Buch mit
sieben Siegeln über allem. Die Apostel, die ihn umgeben, sind als Allegorien
dargestellt, d.h. in ihren sinnbildlichen Tiergestalten Adler, Rind, Löwe und
Engel. Über ihm bläst ein Engel zum Jüngsten Gericht. Und wie es dort zugeht:
Links werden die Auserwählten von einem Engel sorgsam in den Schoss der
Erzväter gehoben, aber rechts führen Teufel die verdammten durch ein Tor in
die Hölle ihren höllischen Folterqualen zu. Darunter werden in vielen
kleineren Darstellungen Episoden aus der biblischen Geschichte dargestellt.
Zum Beispiel schlafen da die Heiligen Drei Könige gemeinsam unter einer
Decke. Welche Könige würden sich heute noch so bescheiden geben? (Aber unter
einer Decke stecken sie noch allemal ...) |
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An all diesen Darstellungen
vorbei, voll Drohung und mit wenig Trost, begaben sich die mittelalterlichen
Menschen in den dunkeln Kirchenraum, wo sie voll Zerknirschung ihre Sünden,
die wirklichen und die eingeredeten, loswerden wollten. Wir versuchten uns
ein wenig in die Zeit einzufühlen, ganz ungewiss, ob uns das gelungen ist. |
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Um das römische Théâtre
Antique, dessen noch stehende Ruinen wir durchs Gitter besichtigten, stiegen
wir zum Amphitheater, das auf dem höchsten Punkt der Stadt gelegen ist,
hinauf. Und hier löste sich die Gruppe langsam auf und die einzelnen
Interessen wurden in kleineren Grüppchen wahrgenommen. Vom Turm des
Amphitheaters konnten wir, die dort hinaufgestiegen waren, noch verfolgen,
wohin es sie zog. |
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Der Abend begann, wie meist,
mit einem gemeinsamen Nachtessen. Nejla hatte das Lokal vorgeschlagen:
L’hauteur. Vom Stierkampfstier-Steak bis zur Pizza, alles war zu haben
und ungeheure Mengen von Resten aller Art, verschwanden in hungrigen Mägen.
100 Millionen Francs-Frage: In wessen Magen das meiste? Und Luca M.,
der Zahlmeister, bezahlte die Zeche. |
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Um Mitternacht erschütterten dann ganz eigenartige Klänge das ehrwürdige Hôtel de la Poste. Der aufgeschreckte Berichterstatter konnte nach einer Weile in den dissonanten Harmonien ein „Happy birthday“ erkennen, das Nejla zu Ehren, deren 21. Geburtstag eben angebrochen war, auf ganz moderne Weise intoniert wurde. Irgendwo in der italienischen Strophe versandete der Gesang und machte anderen schauerlichen Lauten Platz, die nun das Hotel erbeben liessen. Paddy Mullin’s Drink-Assortiment hatte seine Wirkung getan. |
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Dienstag,
25. September: Arles – Les Saintes-Maries-de-la-Mer
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Und etwas nüchterner als um
Mitternacht: Happy birthday, Nejla. |
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Die erste Etappe führte bei herrlichem Wetter zum Musée de la Camargue, wo in einem alten Schafstall die ganze, viele Millionen Jahre dauernde Geschichte der Landschaft der Camargue dargestellt wurde. |
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Der zweite Halt war vor dem
Château d’Avignon – fermé le Mardi. Franziska kam als Soziusfahrern im
Velokörbchen von Herrn Müller an. Es ging auch so. |
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Und der dritte Halt vor dem
Hôtel le bord de Mer, wo gleich die Zimmer mit freier Sicht aufs
Mittelmeer bezogen wurden. Endlich war es so weit. |
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Natürlich musste gleich einmal
ins Meer gesprungen werden. Die Sonnenwärme des Sommers war noch Im Wasser
eingelagert – es war herrlich, und doch auch erfrischend. Und es wurde
gepicknickt auf dem Steinmäuerchen, das aufs Meer hinaus führte. Dann stand
ein freier Nachmittag zur Verfügung. |
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Was wurde getan? – Geduscht, gebadet, am Strand gelegen, Schabernack getrieben, die Lädeli ausgekundschaftet, geschlafen – und alles, was sich der Kenntnis des Berichterstatters entzieht. Nach dem gemeinsamen Nachtessen gab es eine Strandparty, deren weiterer Verlauf sich am nächsten Morgen vom ausgesandten Detektiv unschwer an Hand der hinterlassenen Spuren rekonstruieren liess. – Gut, als die 3Fc noch vor dem Frühstück zum Aufräumen ausrückte, waren die Saubermänner von Saintes-Maries uns schon zuvorgekommen und hatten den Strand diskret von den Vandalenspuren gereinigt. |
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Mittwoch, 26. September |
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Hôtel
Bord de Mer
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19 Avenue de la Plage |
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F-13460 Saintes-Maries-de-la-Mer Tel. 0033 49097 88 36 Fax. 0033 490 97 75 52 |
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Fast alle Mitglieder der Klasse waren
mutig genug, am Ausritt durch die Camargue, den Fabienne vorgeschlagen
und geplant hatte, teilzunehmen. Einige zum ersten mal auf einem Pferd,
andere waren es schon gewohnt. Es ging durch die Schönheit dieser Landschaft,
durch die Tier- und Vogelwelt mit den berühmten Flamingos, durch Sand, über
Dünen und durchs Wasser. Viele hatten zuerst mulmige Gefühle auf ihrem Gaul, Judith
verliessen sie bis zum Schluss nicht ganz, aber alle erreichten das Ziel des
Ausritts sogar nach einem kurzen Galopp unbeschadet – und doch auch etwas
stolz auf die eigene Courage. Niemand verzichtete jedenfalls auf die Foto
hoch zu Ross. Und Luca M. sah darauf aus wie der Marlboro-Man im
Monument Valley. Flamingos, Reiher, Elstern und was sonst noch fleucht und
kreucht in der Camargue, freuten sich sicher, als das Hufgetrappel sich
entfernte und wieder Ruhe und Frieden einkehrte über der Camargue. |
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Und sonst hatte sich der Berichterstatter so weit von der Gruppe entfernt, dass er die brisanten Momente verpasste und ihm nichts Weiteres mehr in die Feder fliessen will. Hier ist der Platz, sie selbst festzuhalten. |
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Der Abend klang aus auf dem Dach vor den Fenstern des Hotels. Von hier aus liessen sich die am Strand Promenierenden – Pärchen, Einzelmasken und Gruppen – wunderbar intrigieren. Sie geben auch zurück, z.T. auf Deutsch – wie schade: Aber e Rahmestiggli am Mittelmeer. |
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Aber spät sollte es nicht werden. Am nächsten Tag stand die längste Etappe auf dem Programm. Eine wirklich lange! |
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Donnerstag, 27.
September : Saintes-Maries – Marseille
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Der Schlaf-Fahrtenschreiber war wieder O.K. Die anstrengendste Etappe konnte in Angriff genommen werden. Das Frühstück war etwas früher als sonst, der Aufbruch etwas rascher. (Das war allerdings kein Problem: Die Hälfte der Klassehatte den Wecker eine halbe Stunde zu früh gestellt und kam so zu einem wunderbaren Sonnenaufgang.) |
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Die Velofahrerinnen und Velofahrer fuhren um 08.45 los, dem Strand entlang über einsame Feld- und Sandwege quer durch die Camargue. Sicher der landschaftlich schönste Teil der Reise. |
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Zwei Stunden später stiessen sie auf die Supporter-Gruppe bei der Fähre über die Rhone von Port St. Louis. Dann war es vorerst vorbei mit der Einsamkeit: Auf stark befahrenen Strassen ging’s entlang von Raffinerien, Tank- und Industrieanlagen durch die Industrielandschaft, die die Agglomeration von Marseille prägt. Und doch fanden sich für die kurzen und langen Zwischenhalte immer wieder lauschige kleine Fischerhäfen und andere Kleinstadtplätzchen – Fos-sur-Mer, Martigues, Châteauneuf-les-Martigues, St. Antoine. Auch liessen sich die Strassen mit dem Schwerverkehr meiden, dafür wurde die Gegend hügelig und es gab Zwischensteigungen. Und dann die Einfahrt in Marseille und am Vieux Port: Diese Glace war verdient. 120 Kilometer war es gewesen von Saintes-Maries hierher – und fünf hatten sie auf dem Sattel ausgesessen. Chapeau! |
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An jedem Zwischenhalt hatte
sich das Auto ein wenig mehr gefüllt. Fabienne als Kartenleserin
sorgte dafür, dass die Zwischenverpflegung dort hinkam, wo die
Radfahrergruppe ihren Halt machte. |
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Fünf Velos waren am Ende
aufgeschichtet. Und Nejla liess ihren Finger in der Autotür, als Judith
sie mit Kraft zuschletzte. Für den Rest der Reise biss sie hartnäckig den
Schmerz hinunter, aber der Finger wurde dicker und blauer. Gute Besserung! |
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Während die angeschwollene Supportergruppe die JH in einem Aussenquartier suchte und organisierte, holte das Auto die Velofahrer und fuhr sie dem Meer entlang zur Dusche und zum Nachtessen, während draussen, hinter dem Château d’If, die Sonne rot und golden ins |
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Meer tauchte. |
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Die Million-Francs-Frage: Auf welcher Seite waren die Lehrer? (Bitte die Antwort diskret behandeln.) |
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Freitag, 28. September: Marseille – oder man kann sich auch aufs Zuhause freuen |
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Als alle mit den Velos am Bahnhof St. Charles standen und als das Gepäck ausgeladen war, da wären einige gerne gleich in einen Zug eingestiegen und nach Hause gefahren. Aber es wartete noch ein Tag in der faszinierenden, lebendigen, warmen Stadt voller Menschen aller Art. |
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Die Velos wurden zurück nach St. Louis geschickt, das Gepäck eingestellt. Um 12 Uhr fuhr die Gruppe mit der Metro zum Vieux Port. Ein Rundgang zum Hafeneingang mit der malerischen Kulisse von Jacht-Masten, mittelalterlichen und späteren Befestigungsanlagen, dem Blick aufs offene Meer. Auf dem Rückweg bröckelte die Gruppe auseinander und setzte sich in Form von neuen Grüppchen neu zusammen: Den lieben zu Hause Gebliebenen musste schliesslich etwas mitgebracht werden. Und eine grosse Stadt muss in einer kleinen Gruppe entdeckt werden. So blieben schliesslich nur die zwei Lehrer übrig, die sich mit der romantischen Navette über das Hafenbecken ins Gebiet der Hafenbeizchen fahren liessen. |
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Der Grad von Monte Christo und The Man in the Iron Mask blieben für diesmal unerlöst in ihrem Kerker auf Château d’If. Wenigstens die 3Fc erlöste sie nicht aus ihrer Qual auf der Insel, die mit ihrer dunkeln Festung vor dem Hafen auf der Lauer liegt. |
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Der Berichterstatter verliess nun
seine Gruppe ebenfalls für einige Stunden. Er musste Le Camion, der so
brav seine Dienste geleistet hatte, in den Heimathafen nach Avignon
zurückführen. |
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Er stiess erst nach Mitternacht
wieder zu seinen Schützlingen, die aber zum grossen Teil schon ganz ruhig dem
Zuhause und den Ferien – und wohl noch vielem Anderem – entgegenträumten. |
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